Die Zulassung zu einer Kunsthochschule, insbesondere zum Fachbereich Malerei, ist ein Prozess, der nicht nur das kreative Talent des Bewerbers, sondern vor allem seine akademische Vorbildung beurteilt. Die Prüfungskommission sucht nach Belegen dafür, dass der angehende Student die klassischen Grundlagen beherrscht: Komposition, Proportionen, Licht und Schatten sowie Farbenlehre.
Um das erforderliche Niveau zu erreichen, ist gezieltes Training unerlässlich. Hier finden Sie die wichtigsten Aufgaben und Methoden, die Ihnen helfen, sich optimal auf die anspruchsvollen Aufnahmeprüfungen vorzubereiten.
1. Klassisches Stillleben: Analyse von Texturen und Licht


Das Stillleben ist ein Eckpfeiler aller Aufnahmeprüfungen. Es ermöglicht dem Prüfungsausschuss zu verstehen, wie Sie die materielle Beschaffenheit von Raum und Objekten wahrnehmen.
Praktische Aufgabe:
Gestalten Sie eine Komposition mit mindestens vier Objekten mit deutlich unterschiedlichen Texturen. Zum Beispiel:
Metall: Polierte Teekanne oder Tasse (Reflexionen, scharfe Lichtpunkte).
Glas: Eine durchsichtige Flasche oder ein durchsichtiges Glas (Lichtbrechung, Transparenz).
Keramik: Mattierte Vase oder Tontopf (sanfte Lichtübergänge).
Bio: Obst oder Gemüse (leuchtende, satte Farben).
Vorhänge: Zwei Stoffe in unterschiedlichen Farbtönen – ein heller, der andere dunkel.
Worauf Sie achten sollten:
Der größte Fehler beim Malen eines Stilllebens ist, jedes Motiv als separate Einheit zu betrachten. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die Farbreflexionen. Der blaue Vorhang wirft einen Tonwertreflex an die Seite des Metallbechers; der Apfel wirft einen farbigen Schatten auf den hellen Hintergrund. Dieses harmonische Zusammenspiel bezeichnen Kunstlehrer als “malerische Vision”.
2. Tonmalerei: Formgebung ohne Farbe

Viele angehende Künstler machen den Fehler, ein Werk mit leuchtenden Farben “retten” zu wollen, obwohl das Problem in falschen Tonwertverhältnissen liegt. Stimmt der Tonwert (wie hell oder dunkel ein Bereich ist), wirkt das Gemälde flach.
Praktische Aufgabe:
Es handelt sich um eine Stilllebenstudie in monochromer Technik. Es werden nur drei Farben verwendet: Ocker (oder Umbra), Weiß und Schwarz.
Zweck:
Diese Übung zwingt Sie, die Hierarchie von Licht und Schatten zu erkennen. Sie müssen Folgendes herausfinden:
Die hellsten Stellen (Akzente).
Helle Quadrate.
Halbtonbilder.
Selbstwertgefühl.
Fallende Schatten (die in der Regel am nassesten und dunkelsten sind).
3. Porträt- und anatomische Konstruktion


Die Erforschung des menschlichen Kopfes zählt zu den komplexesten Disziplinen. Die Aufnahmeprüfungen bewerten nicht die Ähnlichkeit wie in der Fotografie, sondern vielmehr das Verständnis der Schädelstruktur und der Gesichtszüge.
Praktische Aufgabe:
Malen Sie das Porträt bei Seitenlicht. Dadurch wird Ihnen die “Konstruktion” deutlicher vor Augen geführt.
Grundprinzipien:
Das große Ganze: Gehen Sie nicht gleich auf die Details der Wimpern oder Pupillen ein. Skizzieren Sie die Hauptlinien des Kopfes: die Stirnpartie, die seitlichen Wangenpartien, die Unterseite der Nase und die Kieferlinie.
Schultergürtel: Der Kopf sollte nicht in der Luft hängen. Er sollte organisch auf dem Hals sitzen, und der Schultergürtel sollte die Komposition stützen.
Strichführung: Versuchen Sie, mit dem Pinsel “der Form zu folgen”. Wenn Sie die Stirn bemalen, sollte der Strich horizontal verlaufen; wenn Sie die Wange bemalen, sollte der Strich den Blick entlang der Gesichtskontur lenken.
4. Grundlagen der Bildkomposition und Bildausschnittwahl


Eine mangelhafte Gliederung kann selbst eine fachlich hervorragende Arbeit ruinieren. Die ersten 15 Minuten der Prüfung sollten ausschließlich der Planung gewidmet sein.
Übung:
Bevor Sie mit der Arbeit auf der Leinwand beginnen, fertigen Sie mindestens fünf kleine “Miniatur”-Skizzen (ungefähr 5×8 cm) an.
Versuchen Sie es mit einer vertikalen Aufnahme anstelle einer horizontalen.
Beachten Sie die Regel des “Goldenen Schnitts”: Platzieren Sie das Hauptobjekt nicht genau in der Mitte.
Betrachten Sie die “negativen Räume” – wie sehen die Zwischenräume zwischen den Objekten aus? Sind sie interessant?
5. Dynamik: Schnelle Farbskizzen

Bei Prüfungen spielen Stress und Zeitdruck (üblicherweise 3–4 Stunden pro Aufgabe) eine große Rolle. Die Fähigkeit, Farbstimmungen schnell zu erfassen und auf einen Untergrund anzuwenden, muss täglich geübt werden.
Praktische Aufgabe:
Fertigen Sie 30-minütige Skizzen an. Verwenden Sie ein kleines Format (z. B. A4-Karton) und stellen Sie einen einfachen Gegenstand darauf – einen Frühstücksteller, ein Paar Schuhe oder sogar einen gefalteten Pullover.
Was bringt es?
Es schult den Mut. Man hat keine Zeit zu zögern oder Details zu vernachlässigen. Man muss das grundlegende Farbverhältnis und die Stimmung erfassen. Solche Skizzen sind eine hervorragende Ergänzung für das Portfolio und zeigen die Fähigkeit, ausdrucksstark und schnell zu arbeiten.
6. Materialtechnologie: Öl vs. Acryl

Obwohl viele Schulen beides zulassen, werden Ölfarben in der akademischen Welt aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften immer noch sehr geschätzt – sie trocknen langsamer, was weiche Übergänge (Mischen) und Schichtung ermöglicht.
Tipps zur Materialauswahl:
Pinsel: Kaufen Sie hochwertige Borsten- und Synthetikpinsel in verschiedenen Größen. Breite, flache Pinsel sind für den Anfang hilfreich, feinere für die späteren Schritte.
Untergrund: Experimentieren Sie am Prüfungstag nicht mit einem neuen, ungetesteten Untergrund. Es ist besser, eine Leinwand oder Pappe vorzubereiten, die Sie bereits während der Übungsphase ausprobiert haben.
Palette: Halten Sie Ihre Palette sauber. Verschmutzte Farben auf der Palette führen unweigerlich zu einem “schlammigen” Ergebnis in Ihrem Gemälde.
Zusammenfassend: Psychologische Vorbereitung
Die Aufnahmeprüfungen für eine Kunstakademie oder -schule sind eine Ausdauerprüfung. Die Prüfungskommission achtet nicht nur auf Ihre Technik, sondern auch auf Ihre Fähigkeit, sich während Ihrer Arbeit weiterzuentwickeln.
Bei Paint & Progress integrieren wir diese Aufgaben in unsere tägliche Arbeit. Wir sind überzeugt, dass ein methodisches Vorgehen und regelmäßiges Training in einer inspirierenden Umgebung der beste Weg sind, Unsicherheiten zu überwinden. Manchmal genügen wenige gezielte Sitzungen oder eine Beratung, um die eigenen Schwächen zu erkennen und zu beheben.
Viele Institutionen bieten zwar Vorbereitungskurse an, doch am wichtigsten sind Ihre Selbstdisziplin und Ihr kreativer Wille. Nutzen Sie diese Aufgaben, arbeiten Sie an Ihrem Portfolio und gehen Sie mit Selbstvertrauen in die Prüfungen.
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